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1. Anlass der Gesamtinstandsetzung

Das Kloster Weltenburg hat durch seine Lage an der Engstelle der Donau unmittelbar vor dem sog. Donaudurchbruch eine einzigartige topographische Situation architektonisch meisterhaft besetzt. Nicht zuletzt deswegen pilgern alljährlich Scharen von Besuchern nach Weltenburg, die neben dem Kunsterlebnis auch die anmutige landschaftliche Situation genießen wollen. Eben diese herausragende Qualität des Ortes birgt leider auch Gefahren für die Bauwerke, die an solcher Stelle errichtet wurden.
Letztlich kann die exponierte Lage des Klosters als Hauptgrund für die Schäden in und an der Kirche angeführt werden. Dies sei hier näher beschrieben.

Die Tatsache, dass das Kloster und speziell die Klosterkirche am Fuße des Frauenberges auf einer kiesigen Uferfläche der Donau errichtet wurde, war für die Gründung und Errichtung der Bauwerke eine Erschwernis, die bis zum heutigen Tage Schäden an der Gebäudesubstanz der Gebäude nach sich führt.
Durch die topographische, geologische und klimatische Situation ergaben sich Feuchtigkeitsschäden an Fundamenten und des aufgehenden Mauerwerks durch Bodenfeuchte und aufsteigendes Grundwasser im Kirchenkeller. Des Weiteren entstand erheblicher Feuchteintrag durch die teilweise aus Fels bestehende Südwand und den dahinter liegenden hangseitigen Entfeuchtungsgraben sowie durch Kondensationsfeuchte im Kircheninneren aufgrund hoher relativer Luftfeuchte. Schließlich wurde durch Überflutungen bei Hochwasser der Feuchteeintrag im Kircheninneren zusätzlich erhöht.


2. Reparaturmaßnahmen

Raumschale
Durch die Summe dieser „Feuchtequellen“ entstanden starke Schäden an der Raumschale, vor allem auf Fassungspartien des Wandaufbaus mit den Reliefzonen, am plastischen Schmuck und an den Wand und Deckenmalereien. So waren vor allem starke Schäden an den Polimentvergoldungen, die 1961 erneuert wurden, festzustellen sowie Schäden am Stuck, besonders im Bereich der durchfeuchteten Südwand. Starke Schäden fanden sich auch am Stuckmarmor im unteren Wandbereich und an den Seitenaltären sowie an den Wandbildern im durchfeuchteten Bereich, wiederum vor allem an der Südwand.
Auch die Ausstattung der Kirche blieb von Schäden nicht verschont: Türen, Beichtstühle, Chorgestühl, Kirchenbänke, Seitenaltäre und Leinwandbilder waren zum Teil stark geschädigt und mussten mit auf den Einzelfall abgestimmten Restaurierungsmaßnahmen belegt werden.

Dach
Die meisterhafte barocke Dachkonstruktion aus dem Jahre 1718 wies gravierende Schäden in den Fußpunkten und am Dachbruchgesims auf. Vermorschte Zerrbalkenköpfe über ebenso schadhaften Mauerlatten, klaffende Holzverbindungen in den Dachstuhlbindern sowie notdürftig reparierte Altschäden sind als wesentliche Schäden aufzuführen.
Im Zuge der Reparatur das Dachgestühls wurde die gesamte Dachdeckung der Kirche mit sog. Kirchenbiberdachziegel erneuert, was sich vor allem im Bereich des Tambourdaches und der Apsis auf Grund der schwierigen Geometrie für die ausführenden Firmen als handwerkliche Herausforderung darstellte. Ziel der Reparatur des Dachstuhls war, das ursprüngliche Gefüge zu reaktivieren, also den Kräfteverlauf der barocken Konstruktion wiederherzustellen.

Fassade
Das Schadensbild an der Kirchenfassade bezieht sich im Wesentlichen auf die Putzflächen, auf die Natursteinarbeiten (Westfassade, Giebelakroterien, Natursteinsockel und -gesimse, Fenstergewände) sowie auf die Kirchenfenster mit den zugehörigen Bleiverglasungen.
Genannt sei hier beispielhaft die aufwändige Restaurierung der Westfassade mit der Giebelfigur des Hl. Benedikt, auf die in dieser Schrift an anderer Stelle noch genauer eingegangen wird. Das Gefüge der Steinwolke, die den Hl. Benedikt trägt, war brüchig geworden und musste nach sorgfältiger Untersuchung und teilweiser Freilegung wieder gefestigt werden. Ebenso wurde die Figur selbst gereinigt, teilweise ergänzt und mit neuem Nimbus und Hirtenstab versehen. Der Hl. Benedikt verweist nun wieder weithin sichtbar mit seiner ertüchtigten rechten Hand auf die Klosterkirche als religiöses und kulturelles Zentrum des Klosters Weltenburg.

Kirchenkeller
Die Fundamente der aufgehenden Wände und Pfeiler des Kirchenkellers waren mit einer Einbindetiefe von 0-30 cm in den kiesigen Baugrund statisch unterdimensioniert oder teilweise schlichtweg nicht vorhanden. Ausspülungen durch Hochwasser an den Wandfüßen schwächten die Substanz zusätzlich.
Sondierungen an den Wandfundamenten der Klostergruft ergaben ähnliche gravierende Mängel. Durch Handunterfangungen der Kellerwände und Vernadelungen der brüchigen Wandbereiche konnte der Kirchenkeller wieder stabilisiert werden. Diese statische Ertüchtigung in Verbindung mit dem Einbau von Pumpensümpfen und eines schweren Bodenbelages aus Klinkerplatten machen den Kirchenkeller gegen aufsteigendes Hochwasser wieder dauerhaft resistent.

Lüftungsanlage
Die oben erwähnten starken Schädigungen an der Raumschale können zwar restauratorisch beseitigt werden, würden aber nicht nachhaltig vermieden, solange man nicht der eigentlichen Schadensursache, der hohen Raumfeuchte im Kircheninneren, mit entsprechenden Maßnahmen begegnet. Insofern ist es nachvollziehbar, dass neben den Konzepten zur Reparatur der geschädigten Bereiche des Bauwerks gleichzeitig Überlegungen angestellt wurden, wie dem Feuchteproblem langfristig beizukommen ist. Nach einer Reihe von Voruntersuchungen und der anschließenden Konzeptfindungsphase, während der man sogar vergleichbare „Baufälle“ im Ausland visitierte, stellte sich schließlich als für Weltenburg geeignete Lösung ein Entfeuchtungskonzept heraus, das mittels einer für den Kirchenbesucher unsichtbaren Lüftungsanlage die Raumfeuchte auf einen konstanten optimalen Wert hält.

Restaurierungsziel
Der Grundsatz der Instandsetzung darf nicht als strenge Rekonstruktion im Sinne einer durchgehenden Wiederherstellung des Asamschen Originals verstanden werden, sondern als behutsame, in Teilen originalgetreue Reparatur des Gesamtkunstwerkes, die die künstlerischen und konstruktiven Veränderungen der vergangenen Jahrhunderte ins Reparaturkonzept mit einbezieht, statt sie zu beseitigen.


Ergebnis
In über acht Jahren (2000-2008) wurden ca. 6,5 Mio. Euro für die Gesamtinstandsetzung verwendet. Das Ergebnis dieser umfangreichen Bau- und Restaurierungsmaßnahme ist freilich eine Klosterkirche, deren tragende Substanz vom Fundament bis zum Dachgestühl für die kommenden Jahrzehnte ertüchtigt und somit gesichert ist.
Doch dient diese Reparatur der baulichen Hülle ja vor allem dem Erhalt des überaus wertvollen Kircheninneren. Durch die an der Raumschale durchgeführten Restaurierungsarbeiten wurde das Gesamtkunstwerk der Gebrüder Asam aus Architektur, Malerei und Plastik. für die kommenden Generationen nicht nur erhalten, sondern vor allem auch zu neuem Leben erweckt.


3. Projektbeteiligte

Eigentümer
Kath. Kirchenstiftung Weltenburg
Asamstraße 32
93309 Weltenburg

Maßnahmenträger
Bayerisches Staatsministerium
für Unterricht und Kultus
Salvatorstraße 2
80333 München

Projektleitung
Staatliches Bauamt Landshut
Innere Regensburger Straße 7 - 8
84034 Landshut

Fachberatung
Bayerisches Landesamt
für Denkmalpflege
Postfach 10 02 03
80076 München

Ausführungsplanung, Bauleitung
Architektenarbeitsgemeinschaft
Magerl & Brosch
Bergstraße 5
93083 Obertraubling

Tragwerksplanung
Ingenieurbüro ALS
Keesburgstraße 17
97074 Würzburg

Prüfstatik
Landesgewerbeanstalt Landshut
Prüfamt für Baustatik
Luitpoldstraße 15
84034 Landshut

Bodengutachten
Landesgewerbeanstalt Nürnberg
Grundbauinstitut
Tillystraße 2
90431 Nürnberg

Planung Elektrotechnik
Ingenieurbüro Bernhard Schicho
An der Schergenbreite 1
93059 Regensburg

Planung Heizungs- und Lüftungstechnik
Ingenieurbüro Walter Wohlgemuth
Zweibrückenstraße 696
84028 Landshut

Fachbauleitung Raumschale und
Ausstattung
Restauratorenarbeitsgemeinschaft
Michael Bengler und Peter Turek
Gartenweg 8
84130 Dingolfing


4. Zeitplan

7/1998
Vorlage 1. Teil-HU-Bau
Restaurierung des Hochaltars

4/1999
Beginn Restaurierung Hochaltar

12/2000
Vorlage Gesamt-HU-Bau

12/2001
Fertigstellung Restaurierung Hochaltar

3/2002
Baubeginn Gesamtinstandsetzung

11/2005
Fertigstellung der Dach- und
Fassadeninstandsetzung

5/2008
Fertigstellung Restaurierung der
Raumschale

9/2008
Wiedereröffnungsfeier

Veranschlagte Baukosten
Gesamtkosten 6,5 Mio. Euro
(davon 1,8 Mio. Euro aus Mitteln der Pfarrkirchenstiftung Weltenburg)

(Gerhard Haslbeck, Presseinformation des Staatlichen Bauamtes)

Einen umfangreichen Einblick in die Gesamtrestaurierung bietet das Buch "Gesamtinstandsetzung Klosterkirche Weltenburg", herausgegeben 2008 vom Staatlichen Bauamt Landshut, Redaktion Gerhard Haslbeck, 132 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen (Fotos und Zeichnungen)
Das Buch kann direkt per Fax oder Brief bestellt werden: Bestellformular (PDF)


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